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Westernreiten – Unterschiede in der Reitweise
Westernreiten erfreut sich zunehmender Popularität, aber warum ist das so bzw. was unterscheidet Westernreiten von der klassischen englischen Reitweise?
Als Erstes muss man die unterschiedliche Entstehung oder Kultur betrachten.
Westernreiten ist eine Arbeitsreitweise und Signalreitweise.
Vor ca. 150 Jahren wanderten viele Europäer aus Armut nach Amerika aus, um dort ein neues Leben zu beginnen. Im Westen von Amerika gab es unendliche Weiten an Land, auf den riesige Viehherden ohne Zaun gehalten worden sind, die in der Regeln in den Osten gebracht werden mussten, da dort die Mehrheit der Menschen in den Städten lebten. So ein Viehtrieb und die Haltung an sich (Brandmarkierung/Krankheitsuntersuchung) war harte Arbeit. Tagelang mussten die Cowboys von früh morgens bis spät abends im Sattel sitzen. Also kann man sich vorstellen, dass ein Cowboy hier schlecht stundenlang im „Leichtrab“ durch die Prärie reiten kann. Daher gibt es im Westernreiten z.B. den Jog, ein langsamer gleichmäßiger Trab, in welchem man kaum hochgeworfen wird und der gut auszusitzen geht.
Beim Treiben der Viehherden ist der Cowboy mit dem Lasso beschäftigt oder muss an der Hand noch ein zweites Pferd führen, aus diesem Grund gibt es die einhändige Zügelhaltung bzw. reagiert das Pferd bereits auf die Anlehnung des indirekten Zügels am Hals (Neck-Rain)
Ein Cowboy auf sich und sein Pferd angewiesen. Man kann sagen, sie mussten eine unzertrennliche Einheit bilden. Das Pferd war der wertvollste Besitz eines Cowboys. Pferd und Reiter mussten sehr gut ausgebildet sein, man hatte keine Zeit für ständige aufwendige Hilfengebung, nach dem Motto „so viel wie nötig und so wenig wie möglich“.
Die Vaqueros (span. Kuhhirte) aus Kalifornien, Texas und Mexiko waren bezüglich der Ausbildung der Pferde die Besten. Man kann sagen, sie hatte die Pferdekunst fast im Blut.
Die Vaqueros stammen von den Spaniern ab, die die Pferde bereits zu Kolumbuszeiten nach Amerika brachten. Die spanische Reitkunst ist bekanntlich weltberühmt. Dieses Jahrhunderte alte Wissen um die Pferdeausbildung konnten sich daher die Vaqueros zu nutze machen.
In Europa gab es natürlich keine unendlichen Weiten an Land im Gegenteil, Europa ist seit eh und je dicht besiedelt und die Tiere können hier nicht frei leben. Die Pferde in Europa hatten daher eine ganz andere Verwendung und zwar hauptsächlich als Lastenträger und Zugtiere oder die Kavallerie.
Die Reichen Leute aber züchteten schon vor Jahrhunderten einfach nur für den Sport, das Luxusvergnügen oder die Reitkunst an sich. Daraus gingen die Dressur, Springen, Voltigieren oder auch Jagdreiten und Polo hervor.
Die europäische Reitweise ist daher eher die klassische englische Reitweise.
Zusammenfassend kann man folgende Unterschiede feststellen:
Ausrüstung:
Englisch
- Kleinerer Sattel mit lose herabhängenden Steigbügeln
- Zaumzeug der Dressur- und Springpferde haben einen Nasenriemen und ist konstruiert, dass das Maul zugebunden werden kann
- Enge Reithosen mit hohen Reitstiefeln für den Halt und für die Hilfengebung mit den Unterschenkeln
Western
- Breiter Sattel mit Fender = breiter Lederstreifen zwischen Sattelblatt und Steigbügel
- Sattelhorn für Lasso am Sattel
- Praktische Jeans, die nicht schnell durchscheuern oder eine Jodhpur Reithose und Stiefel
Hilfengebung:
Englisch
- Laufende Hilfengebung, d.h. so lange die Hilfen geben bis Pferd etwas anderes machen soll
- Sitz – Knie eng am Pferdekörper, Füße parallel zum Pferdekörper
- Zügel leicht auf Spannung
Western
- Signalreitweise
- Hilfe wird nur einmal gegeben und Pferd darf erst aufhören, wenn anderes Kommando kommt.
- Sitz – Froschsitz – Knie leicht geöffnet, Waden entspannt am Pferdekörper
Fazit:
In beiden Reitweisen kommt es darauf an, dass Pferd und Reiter sich verstehen und die Verständigung reibungslos verläuft.


